Elternabende werben um Mithilfe
In Zeiten von Computer und Fast Food leidet mittlerweile jedes 5. Kind in Deutschland unter deutlichem Übergewicht. In zahlreichen Projekten versuchen die Schulen seit Jahren den Schülern über den Lehrplan hinaus, Freude an Bewegung und das Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln. Hier setzt die Aktion „Gesund groß werden“ unter der Schirmherrschaft von Landrat Anton Knapp und nach Initiative des Chefarztes Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Breidert an. Sie will die verschiedenen Aktionen der Schulen bündeln, langfristig medizinisch und wissenschaftlich begleiten und übergewichtige Kinder und deren Eltern individuell betreuen. Zu Beginn des Projekts nehmen zunächst vier Schulen im Landkreis Eichstätt, die Grundschule am Graben und die Hauptschule Schottenau sowie die Grundschule Beilngries und die Volksschule Kösching, jeweils mit ihren 1. und 5. Klassen als Projektschulen an den Aktionen teil. Je nach Akzeptanz des Projektes können in Zukunft die Bemühungen dann auch auf weitere Schulen ausgeweitet werden.
Bei Elternabenden an den vier Schulen stellten die Initiatoren das Vorhaben „Gesund groß werden“ vor. Schulamtsleiter Dr. Michael Miedaner erläuterte den Ablauf des Projekts. Am Anfang - sozusagen als Startschuss - findet Ende November in den Schulen eine Aktionswoche rund um die Themen gesunde Ernährung und Bewegung statt. In den 5. Klassen startet die Woche mit einer Informationsstunde, in denen die Grundlagen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung im Unterricht vermittelt werden. Am zweiten Tag folgt in allen Klassen die Bestandsaufnahme. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Eichstätt messen und wiegen die Kinder einzeln. Außerdem führen die Lehrer einen Fitnesstest mit den Kindern durch und Mitarbeiter der Kliniken im Naturpark Altmühltal bieten den Kindern eine Bioimpedanz-Messung an. Bei dieser Messung werden Körperfettanteil und Muskelmasse ermittelt und so ein besserer Einblick in den Gesundheits- und Fitnesszustand des Kindes gewährt. Die Eltern sind herzlich eingeladen, bei der Durchführung des Fitnesstests mitzuhelfen. Am dritten Tag dürfen die Kinder gemeinsam mit Ernährungsberaterinnen ein gesundes Pausenbrot zubereiten und lernen so in der Praxis die Grundlagen einer gesunden Ernährung kennen. Auch hierzu sind die Eltern herzlich zum Mitmachen und Mitessen eingeladen. Zum Abschluss der Aktionswoche werden die Kinder zu ihrem Essverhalten, Freizeitverhalten und zu ihrem Eindruck von der Aktionswoche befragt.
Nach der Aktionswoche und nach Auswertung der ersten Ergebnisse bieten die Schulen und Kliniken übergewichtigen Kindern und ihren Eltern individuelle Unterstützung bei der Ernährungsumstellung an. Denn nur wenn die Ernährungsumstellung auch in den Familien langfristig umgesetzt wird, kann das Projekt „Gesund groß werden“ nachhaltig Erfolg haben.
Die Studie
Im Anschluss erläuterten die Chefärzte der Medizinischen Klinik I an den Kliniken Eichstätt und Kösching, Prof. Dr. med. Thomas Wertgen und Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Breidert, die medizinischen Grundlagen des Projekts. Das zunehmende Übergewicht bei Kindern sei zwar als Problem seit längerem bekannt, langfristige wissenschaftliche Beobachtungen fehlten bisher jedoch deutschlandweit. Daher sollen im Rahmen einer epidemiologischen Erhebung biometrische Daten wie Gewicht, Größe und Blutdruck erhoben werden. Die Untersuchungen dienen dem Ziel, Ernährungs- und Bewegungsumstellung bei übergewichtigen Kindern wissenschaftlich zu begleiten und zunächst den aktuellen Stand für den Landkreis Eichstätt zu ermitteln. Gerade übergewichtige Kinder benötigen eine spezielle Betreuung, um langfristig andauernd Erfolge zu erzielen, um frühzeitig Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckererkrankung), Gefäßveränderungen bis Früharteriosklerose zu vermeiden. Langfristige Ergebnisse können helfen, erfolgreiche Konzepte für die gesunde Entwicklung der Kinder zu erforschen.
Die rege Diskussion nach den Vorträgen und zahlreiche Fragen der Eltern zeigten die Brisanz des Themas. Besonders im Zusammenhang mit der Verwendung persönlicher Daten und Messergebnisse konnten die Verantwortlichen den Befürchtungen der Eltern entgegenwirken. Denn die vertrauliche Verwendung der erhobenen Daten und der Schutz der Privatsphäre sind bei der Umsetzung des Projektes, das von der Ethikkommission der Universität Freiburg genehmigt wurde, selbstverständlich. Das Konzept sieht eine Messung durch das staatliche Gesundheitsamt in einem abgetrennten Raum vor. Die Daten werden dabei den Kindern nicht mitgeteilt, um eine Verbreitung unter den Schülern zu vermeiden. Sie werden in den Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Studie selbstverständlich anonymisiert dargestellt. Um den Eltern dennoch eine Information über die Messdaten der Kinder geben zu können, werden den Kindern verschlossene Umschläge mit den Daten mit nach Hause gegeben. Denn gerade im Zusammenhang mit der vorgesehenen Bioimpedanzmessung zeigte sich das große Interesse der Eltern an den Ergebnissen. Auch wenn die anwesenden Eltern nach den persönlichen Erläuterungen der Chefärzte und der Verantwortlichen der Schulen ohne Bedenken die erforderlichen Einverständniserklärungen unterschrieben und von der Idee des Projektes begeistert waren, ist die Teilnahme für alle Schüler freiwillig.

