Wie verhalte ich mich im Notfall richtig?
Für die meisten Menschen ist es ein Schreckensszenario, als Ersthelfer zu einem Unfall zu kommen oder direkt von einem Notfall betroffen zu sein. Oft scheuen sich Menschen in dieser Situation rasch zu helfen, aus Angst etwas Falsches zu tun. Das Fazit des 16. Eichstätter Gesundheitsgespräches, das am Samstag im Alten Stadttheater Eichstätt stattfand, lautete aber „Nur wer nichts tut, macht einen Fehler". Ziel des informativen Vormittags war es entsprechend, den über 110 Besuchern das richtige Verhalten in Notfällen verschiedenster Art näher zu bringen.
Bei Kindern ist der erste Schritt, den kleinen Patienten zu beruhigen und in jedem Fall selbst Ruhe zu bewahren. Das ist die Grundlage für richtiges Verhalten, wenn ein Kind in einen Notfall verwickelt ist. Als erster Referent erläuterte der neue Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin der Kliniken St. Elisabeth Neuburg die häufigsten Notfälle bei Kindern. Dazu gehören Verbrennungen und Verbrühungen, Vergiftungen, Stürze und Aspiration. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin gab praktische Tipps für den Ernstfall. So ist es beispielsweise wichtig, ein Kind nach einer Verbrennung oder Verbrühung 20 bis 30 Minuten zu kühlen. Anschließend sollten die Wunden nur mit sauberen und nicht fusselnden Tüchern abgedeckt werden und nichts anderes auf die Wunde gegeben werden. Selbstverständlich ist es in allen Fällen im Zweifelsfall besser, einen Notarzt zu holen. Insbesondere weil gerade innere Verletzungen nach Stürzen nicht von außen erkennbar sind.
Was ist bei einem epileptischen Anfall zu tun? Diese Frage beantwortete der Oberarzt der neurologischen Fachklinik Kipfenberg Andreas Bock. Ein einzelner Anfall erfordert keine medizinische Hilfe, da er das Gehirn nicht schädigt und von selbst aufhört. Wichtig für die richtige Einschätzung eines Anfalls ist es, die Dauer mit Hilfe einer Uhr festzuhalten. Normalerweise dauert ein Anfall nicht länger als zwei bis fünf Minuten. Ersthelfer sollten den Betroffenen aus der Gefahrensituation herausführen, vor Sturz und gefährlichen Gegenständen schützen und ihn in die stabile Seitenlage bringen, um beim Erbrechen eine Aspirationsgefahr zu vermindern. Wichtig ist es, nach dem Anfall den Betroffenen weiter zu beaufsichtigen. Auf keinen Fall sollten die Ersthelfer den Kiefer gewaltsam öffnen, Gegenstände gewaltsam entfernen oder krampfartige Bewegungen gewaltsam verhindern. Ein Krampfanfall ist ein Fall für den Notarzt rufen, wenn er erstmals auftritt, der Anfall länger als fünf Minuten dauert, die Anfälle sich wiederholen, eine andauernde Bewusstseinsstörung auftritt, der Verdacht auf Begleitverletzungen besteht oder wenn die Situation unklar ist.
Prof. Dr. med. Thomas Wertgen, der Chefarzt der Medizinischen Klinik I der Klinik Eichstätt und Leiter des 16. Eichstätter Gesundheitsgespräches, stellte mit Unterzucker, Kolik und Allergien mögliche internistische Notfälle vor. So ist eine Allergie beispielsweise eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe, die oft mit Entzündungen einhergeht. Häufig tritt bei einem allergischen Notfall ein sogenannter anaphylaktischer Schock auf, der durch den Notarzt behandelt werden muss. Betroffene sollten auf diese Notfälle vorbereitet sein. So kann ein spezielles Notfallset im Ernstfall die nötige Hilfe bieten.
Vor der Pause gab Prof. Dr. med. Helmut Kücherer einen Ausblick auf das 17. Gesundheitsgespräch, das im Frühjahr 2012 stattfinden wird. Der Chefarzt der Kardiologie ging auf mögliche kardiologische Notfälle ein und zeigte die Vorteile der neuen Brustschmerzambulanz der Klinik Eichstätt auf. Gerade bei kardiologischen Erkrankungen ist es wichtig, rechtzeitig den Notarzt zu rufen.
Passend zum Thema bot die Mittagspause in diesem Jahr die Möglichkeit, einen Rettungswagen zu besichtigen und sich Erste-Hilfe-Maßnahmen an einem Dummy zeigen zu lassen. Im Anschluss brachte der Leiter des Rettungsdienstes des BRK Eichstätt Reiner Schild von Spannenberg zudem den Besuchern die wichtigsten Verhaltensweisen im Notfall in Erinnerung. Er und die weiteren Referenten des zweiten Teils des Gesundheitsgespräches betonten vor allem, wie wichtig es ist, überhaupt zu helfen. Beim Notruf müssen die wichtigsten Informationen weitergegeben werden. Wo ist was wie vielen Betroffenen mit welchen Verletzungen passiert? Für mögliche Rückfragen der Rettungsleitstelle sollte der Anrufer unbedingt warten bevor er auflegt. Bis zum Eintreffen des Notarztes können die Ersthelfer vor allem mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung Leben retten. Auch dabei gilt, man kann keinen Fehler machen, außer man tut nichts.
Dr. med. Elmar Schuchardt, Allgemeinarzt und Notarzt aus Eichstätt, beschrieb anschließend, was nach Absetzen des Notrufes geschieht. Die Leitstelle entscheidet, welches Rettungsmittel geeignet ist und ob ein Notarzt erforderlich ist. Gegebenenfalls erfolgt eine telefonische Anleitung zur "Ersten Hilfe" durch die Leitstelle, denn schnelles Handeln rettet Leben. Beim Eintreffen des Rettungswagens können die Ersthelfer Sanitäter und Notarzt damit unterstützen, dass sie an der Straße warten. Dies ist natürlich nur möglich, wenn mehrere Ersthelfer anwesend sind, denn die Wiederbelebungsmaßnahmen sollten unbedingt fortgeführt werden bis der Rettungsdienst diese übernimmt. Wenn nötig erfolgt eine Grundversorgung vor Ort, je nach Krankheitsbild kann ein schneller Abtransport in die Klinik notwendig sein oder auch in ein weiter entferntes Zentrum. Nach der Übergabe des Patienten durch den Notarzt oder Rettungsdienst an den Klinikarzt, leitet dieser z. B. eine direkte Aufnahme auf die Intensivstation, eine Herzkatheteruntersuchung, ein CT oder eine Endoskopie ein.
Zum Abschluss des 16. Eichstätter Gesundheitsgespräches zeigte Dr. med. Matthias Ruppert, Leiter der Medical Operations der ADAC-Luftrettung, wann der Hubschrauber zum Einsatz kommt. Neben Einsätzen in abgelegenen Regionen, wenn es viele Verletzte oder Erkrankte zu versorgen gilt oder wenn der Einsatzort schlecht zu erreichen ist, wird der Rettungshubschrauber auch dann geschickt, wenn der Hubschrauber deutlich schneller den Notfallort erreichen kann als der bodengebundene Notarzt oder wenn der Patient schnell in eine geeignete (Spezial-)Klinik transportiert werden muss. Gerade bei Nebel, schlechten Witterungsbedingungen oder nachts stößt der Hubschrauber an seine Grenzen. Seit mehr als 40 Jahren wird der bodengebundene Rettungsdienst in Deutschland durch die Luftrettung ergänzt. Mittlerweile stehen untertags rund 70 Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber zur Verfügung - einige werden auch rund um die Uhr betrieben, was in der Zukunft noch von zunehmender Bedeutung sein könnte.
Sollten am Samstag noch Fragen zum Thema „Notfallmedizin" offen geblieben sein, können diese bei der traditionellen Telefonsprechstunde am Montag, 14. November, in Zusammenarbeit mit dem EICHSTÄTTER KURIER gestellt werden. Als Gesprächspartner stehen Chefarzt Professor Dr. Thomas Wertgen und Chefarzt Privatdozent Dr. Stephan Seeliger von 14 bis 15 Uhr unter den Telefonnummern (0 84 21) 97 99 12 (Wertgen) und (0 84 21) 97 99 13 (Seeliger) zur Verfügung.
Bild Gewinner: Der Vorstandsvorsitzende Gunther Schlosser und der Leiter der Veranstaltung Prof. Dr. med. Thomas Wertgen übergaben den Gewinnern des traditionellen Quiz die Preise. Die glücklichen Gewinner waren das Ehepaar Margarete und Gunter Sulzbach sowie Stilla Uekermann aus Eichstätt.

