Außendienst im afrikanischen Eritrea
Am 30. Oktober geht es los: Dr. Martin Pesch vom Institut für Anästhesie und Intensivmedizin wird bis Anfang Dezember ins sonnige Eritrea fliegen – nicht zum Badeurlaub ans Rote Meer, sondern zum Arbeiten. Der Spezialist für Anästhesie-, Intensiv- und Notfallmedizin wird an der „School of Medicine“ angehende Ärzte und Anästhesisten in Theorie und Praxis unterrichten. Der Einsatz wird vom Eritrea Hilfswerk in Deutschland (EHD) organisiert und finanziert, auch die Klinik unterstützt die Aktion und stellt Dr. Pesch für diesen Einsatz von der Arbeit frei.
Zugang zur Gesundheitsversorgung für jeden Menschen: Dieses Anliegen der Weltgesundheitsorganisation ist auch in Eritrea wie in vielen anderen Ländern bislang ein unerfüllter Wunsch geblieben. Das Eritrea Hilfswerk hilft mit seinen Projekten in dem kleinen Land am Roten Meer, punktuell die Lage im Gesundheitswesen des Landes zu verbessern. Seit 1993 steht dabei die Unterstützung beim Aufbau einer modernen und doch technologisch angepassten Anästhesie im Mittelpunkt. Als das EHD damals mit Unterstützung von deutschen Anästhesisten eine Bestandsaufnahme durchführte, ergab sich großer Handlungsbedarf. In den Operationssälen der Krankenhäuser außerhalb Asmaras wurden die Patienten teilweise noch mit Äther und Handbeatmung betäubt. In der Hauptstadt waren einige uralte Anästhesiegeräte verschiedener Hersteller im Einsatz, die jedoch aufgrund von mangelnder Wartung und Ersatzteilen nicht immer einsatzbereit waren.
Seither hat sich einiges verändert: Das EHD hat 1993 eine Serie neuerer Anästhesiegeräte geliefert. Die zuverlässigen und stabilen Geräte der Dräger Sulla Serie leisten bis heute ihren Dienst. Kliniken in ganz Deutschland und Österreich unterstützen das EHD mit Sachspenden, Chefärzte und Techniker verschiedener Kliniken waren in den vergangenen Jahren immer wieder im Arbeitseinsatz in Eritrea, um gespendete gebrauchte Anästhesiegeräte vor Ort zu warten und zu reparieren. Dabei hat sich neben der Lieferung von Ersatzteilen und Geräten auch der Know-How-Transfer von Techniker zu Techniker und von Arzt zu Arzt als sehr wichtig erwiesen. „Schließlich wollen wir mit unserer Hilfe unsere eritreischen Partner in die Lage versetzen, mittelfristig die Wartung und Instandhaltung der Geräte sowie deren Einsatzbereitschaft selbst aufrecht zu erhalten“, sagt Martin Zimmermann, Vorsitzender des Eritrea Hilfswerk. Gerade im Bereich der Anästhesie werde anschaulich, wie Hilfe zur Selbsthilfe Früchte trage, so Zimmermann. „Mittlerweile sind selbst die Peripherikliniken im Land mit diesen von uns gelieferten Drägergeräten ausgestattet und einige Medizintechniker wurden bei den Einsätzen von ihren deutschen Kollegen so intensiv geschult, dass die wichtigsten Wartungsarbeiten nun von eritreischen Technikern durchgeführt werden können.“
Systematisierung der Ausbildung von Anästhesisten
Gab es zunächst bei den Besuchen von deutschen Anästhesieärzten nur sporadisch Vorträge für die wenigen eritreischen Ärzte, so wurde mittlerweile die Zusammenarbeit auf gute Grundlage gestellt und im Land selbst die Ausbildung von Anästhesisten systematisiert. In Eritreas Hauptstadt Asmara werden in der „School of Medicine“, einem Ableger der Universität Asmara, Mediziner, darunter seit einem Jahr auch Anästhesisten ausgebildet. Gastreferenten spielen bei der Ausbildung eine große Rolle. Im April unterrichtete Professor Götz Geldner, Chefarzt Anästhesie des Klinikums Ludwigsburg für einige Zeit die Medizinstudenten an der „School of Medicine“ in Asmara in Sachen Anästhesie. „Ich habe dabei lauter unglaublich interessierte und engagierte junge Leute getroffen, die sehr wissbegierig und im Unterricht voll bei der Sache waren“, erzählt der Professor. Am 30. Oktober wird Dr. Martin Pesch als zweiter deutscher Dozent an der „School of Medicine“ unterrichten. Der Schwerpunkt seiner theoretischen und praktischen Ausbildung wurde im Vorfeld der Reise mit Dr. Azieb Ogbaghebriel, Leiterin der „School of Medicine“ abgestimmt. Im Rahmen des eritreischen Curriculums unterrichtet Dr. Pesch anästhesiologische Verfahren bei Schwangerschaft und Geburtshilfe, Kinderanästhesie, Management bei Schwerverletzten sowie Möglichkeiten und Grenzen der Regionalanästhesie.
Dieser Transfer von Know-How wird von der eritreischen Seite auch deshalb sehr geschätzt, weil die Gastreferenten über ein hohes Maß an praktischer Erfahrung verfügen und auch detailliert auf Fragen der Studenten eingehen können. Das trifft auch für den geplanten Einsatz im praktischen Bereich zu, wo Dr. Pesch im Klinikbetrieb sowohl den Studenten als auch den eritreischen Anästhesisten sicher so manchen wertvollen Tipp geben kann.

