12. Eichstätter Gesundheitsgespräch: Vorbeugen in jedem Alter
„Sie können vielen Krankheiten vorbeugen und der heutige Tag will Ihnen sagen wie“, mit dieser guten Nachricht hieß Gunther Schlosser, Vorstandsvorsitzender der Kliniken im Naturpark Altmühltal, am Samstag rund 100 interessierte Zuhörer willkommen. Die abwechslungsreichen Vorträge des 12. Eichstätter Gesundheitsgespräches im Alten Stadttheater boten zahlreiche theoretische und praktische Präventionstipps, die Frau und Mann in jedem Alter helfen wollen, gesund zu bleiben.
Der Leiter der Veranstaltung Prof. Dr. med. Thomas Wertgen, Chefarzt der Medizinischen Klinik I an der Klinik Eichstätt, offenbarte gleich zu Beginn „Die offenen Geheimnisse der Gesunden". Neben allgemein gesundheitsfördernden Faktoren wie einem normalen Blutdruck, einer gesundheitsbewussten Ernährung und regelmäßiger Bewegung sei auch die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen, wie der Darmkrebsvorsorgeuntersuchung, wichtig. Ein rauchfreies Leben, ein angemessener Alkoholgenuss und ausreichend Schlaf unterstützen die Gesundheit. Aus psychosozialer Sicht trägt vor allem eine optimistische Grundhaltung ihren Teil zu einem gesunden Leben bei.
Im Anschluss beschrieb der Belegarzt der Klinik Eichstätt Dr. med. Manfred Kynast die Möglichkeiten der Vorbeugung in der Frauenheilkunde. Er unterschied die primäre von der sekundären und der tertiären Prävention. Während die primäre Prävention alle die Maßnahmen zusammenfasst, die auf die Vermeidung von Krankheiten abzielt, in der Frauenheilkunde stellt die Mutterschaftsvorsorge eine klassische primäre Prävention dar, hat die sekundäre Vorbeugung das Ziel, Vorstufen oder frühe bösartige Veränderungen beispielsweise am Gebärmutterhals zu diagnostizieren. Dr. Kynast sprach sich außerdem für die Hormontherapie nach den Wechseljahren aus. Er zeigte, dass die negativen Aspekte, die gegen eine Hormontherapie sprächen bei weitem nicht die positiven Auswirkungen aufwiegen könnten. So stehe ein geringfügig erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken, einem stark gesenktem Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden gegenüber.
Dass auch gemeinsames Singen nachweisbar positiv auf die Gesundheit wirkt, belegten Rita und Michael Pesold während einer unterhaltsamen musikalischen Pause unter dem Motto „Singen - Gymnastik für die Seele“. Rege sang das Publikum die alten Volkslieder mit und arbeiteten so aktiv und mit Freude an der Vorbeugung von Krankheiten.
Einem klassischen Präventionsthema widmete sich Physiotherapeut Gerhard Hentschel, der die positiven Effekte der Bewegung auf die Gesundheit beschrieb. Dabei werden nicht nur die Selbstheilungskräfte und das Immunsystem stimuliert, Stress abgebaut, der Fettstoffwechsel und damit verbundene Gewichtsreduktion angekurbelt. Sport steigert auch die Leistungsfähigkeit und das allgemeinen Wohlbefinden, reguliert Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinwerte. Darüber hinaus verbessert er die Gehirndurchblutung, den Gleichgewichtssinn und die Motorik und fördert sogar die Intelligenz. Zum Abschluss seines Vortrags lud er die Zuhörer ein, diese positiven Effekte gleich mit einigen einfachen Übungen selbst zu testen.
Nach einem gesunden Mittagessen, das die Klinikküche zubereitet hatte, wurde die Bedeutung einer gesunden Ernährung bis ins hohe Alter auch theoretisch thematisiert. Mit zunehmendem Alter ist weniger das Übergewicht sondern mehr die Unterernährung das Hauptproblem bei der Vermeidung von Krankheiten, stellte Dr. med. Max Dienel, Oberarzt in der Fachklinik für Geriatrie Ingolstadt fest. Untergewichtige über 80-jährige sterben dreimal so häufig, wie übergewichtige und ein hoher Cholesterinspiegel ist bei über 80-Jährigen sogar ein Schutzfaktor. Mit dieser Erkenntnis überraschte Dr. Dienel das Publikum und gab ihm zugleich zahlreiche praktische Tipps für eine gesunde Ernährung mit auf den Weg.
Zum Abschluss des abwechslungsreichen Programms stellte Generalvikar Johann Limbacher geistliche Überlegungen zu diesem wichtigen Thema an. Dabei stellte er das Spannungsfeld zwischen Krankheit und Gesundheit aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Der persönliche Wunsch nach einem gesunden Leben wird in der Wirklichkeit immer wieder mit Krankheit, Leid und Schmerz konfrontiert. Die Frage „Warum ist das so?" kann nicht nur medizinisch beantwortet werden. Krankheit ist daher auch eine Herausforderung für den Glauben. Eine schwere Erkrankung kann das bisherige Leben und die künftige Lebensperspektive grundlegend in Frage stellen. Limbacher machte deutlich, dass auch das Hinterfragen bisheriger Glaubensvorstellungen der Weg zu einem neuen Glaubensbezug sein kann. Der Dompropst zeigte zum Abschluss die Chance, die aus der Krankheit entstehen kann: „Die Erfahrung, dass man nicht allein gelassen ist, sondern eingebunden in eine Gemeinschaft, die sich in schwerer Zeit bewährt, ist unersetzbar wichtig, ja lebensnotwendig.“

